Curriculum vitae

Giuseppe Blasotta wurde 1972 in Foggia/Italien geboren.

Bereits mit 20 Jahren war Giuseppe Blasotta Philosophiedozent am Ginnasio, Liceo Classico G. Giusti und im Centro Studi G.B.Vico in Turin. Seine Studien führten ihn über ein Erasmusstipendium nach Heidelberg, wo er sich neben dem Studium der christlichen Archäologie und Philosophie immer intensiver der Malerei widmete.

Giuseppe Blasotta was born in Foggia (Italy) in 1972.
At the early age of 20 he taught philosophy at the Ginnasio Liceo Classico G. Giusti and the Centro Studi G.B. Vico in Turin. An Erasmus scholarship also brought him to Heidelberg where alongside his studies in Christian archaeology and philosophy he devoted more and more of his time to painting.

Technik

Bei den Werken von Giuseppe Blasotta handelt es sich um Ölbilder auf Leinwand. Obwohl in den letzten Jahren andere Verfahren, wie z.B.die Acrylmalerei oder Malereitechniken mit künstlichen Bindemitteln international immer stärkere Anwendung gefunden haben, entschied sich für die Ölmalerei.

Einerseits war es die Faszination der Ölfarben selbst, die bei Blasotta den Wunsch hervorrief, diese Technik zu verwenden. Andererseits schafft Ölfarbe seiner Meinung nach organische und lebendige Objekte.

Vortag von Frau Prof. Dr. Donatella di Cesare:

Eröffnung der Ausstellung im Museum der Universität Heidelberg im Beisein von Herrn Prof. Dr. Hans Georg Gadamer.
11. November 1999

Thema dieser Ausstellung ist – wie man schon aus der Einladung entnehmen kann – die Wunde des zeitgenössischen Menschen, die in verschiedenartiger Gestalt durch die warme, plastische Sprache dieser Ölmalerei eine Übersetzung findet. Aber wie sind diese Gemälde entstanden? Erlauben Sie mir eine kleine biographische – zum Teil autobiographische – Rekonstruktion. Zuerst soll man den Namen von Bacon erwähnen. Giuseppe Blasotta, der Philosophiestudent in Heidelberg und in Turin ( bei dem Dipartimento di Ermeneutica filosofica) ist, bekommt fast zufällig in die Händen ein Buch von dem großen zeitgenössischen Maler. Es ist die Gelegenheit, um über die Formen bzw. die Deformationen des Menschenkörpers in der heutigen Welt nachzudenken, ein Thema, das ihm schon einiger Zeit nahe liegt. „ Erlauben Sie sich mehr Kühnheit!“. So lauteten die Worte von Hans-Georg Gadamer, als er in diesem Sommer vor den ersten Bildern stand. Und diese Worte haben scheinbar eine große Auswirkung gehabt. Blasotta fühlt sich gleichsam beflügelt und malt ein Bild nach dem anderen. Nicht zufällig ist die Ausstellung Hans-Georg Gadamer gewidmet.
Von der Hermeneutik zu der Malerei – aber wir hoffen auch zurück. So könnte der Weg von Blasotta bezeichnet werden. Und der Weg ist ja leicht nachzuvollziehen. Dass nämlich Blasotta von der Hermeneutik her zu einer produktiven künstlerischen Tätigkeit kommt, ist ja kein Wunder und hängt letzten Endes mit den Grundsätze der philosophischen Hermeneutik zusammen. Wenn die Metaphysik als Königin der Wissenschaften die Kunst als insgesamt untergeordnete Phänomen betrachtet, das zu rechtfertigen und von Vernunftprinzipien abzuleiten ist, öffnet sich die Hermeneutik, die phänomenologisch vorgeht und ihren Anfang von der Sache selbst nimmt, zu einem fruchtbaren Dialog mit der Kunst. Etwas ganz Neues in der Geschichte der Philosophie. In ihrem Anspruch auf Universalität schlisst die Hermeneutik die Ästhetik ein. Denn Hermeneutik überbrückt den Abstand zwischen Geist zu Geist. Was uns etwas sagt, ist wie der, der einem etwas sagt. Das Wechselspiel der Herausforderung, die das Andere, Unverständliche, darstellt und auf das der Verstehenswollende antwortet, spielt nicht nur zwischen Ich und Du und dem, was wir einander sagen, sondern gerade zwischen dem Werk, bzw. dem Kunstwerk und mir, dem es etwas sagt und der immer wieder wissen möchte. Auch das Kunstwerk fällt also in den eigentlichen Aufgabenbereich der Hermeneutik. Die Aufgabe des Verstehens gilt ja in eminenter Weise von der Erfahrung der Kunst. Denn die Sprache der Kunst meint den Sinnüberschuss, der im Werke selbst liegt. Und auf diesem Sinnüberschuss beruht die Unausschöpfbarkeit, die das Kunstwerk auszeichnet. Gerade wenn man von dem Kunstwerk ausgeht, liegt das Verhältnis von Hermeneutik und Ästhetik, besser gesagt: des sich öffnen der Hermeneutik auf die Interpretation der Kunst offensichtlich zutage.

Als zeitgenössisch bewusst situierter Mensch, strebt Blasotta mit seiner Kunst nach einem klassischen Ideal. Insofern kann seine Malerei nicht durch das Kanon der herrschende Mode betrachtet werden. Schon die Entscheidung für das Öl spricht für das Klassische. So will seine Malerei eine durch klassische Mittel gewagte Antwort auf zeitgenössische Fragen sein.
Wichtig bei ihm ist etwas, dass der Begriff der Subjektivität eine untergeordnete Rolle spielt. So signiert Blasotta seine Bilder auf der Malfläche nicht. Als Künstler, der die Autonomie des Kunstwerkes absichtlich sucht, bleibt er in Hintergrund. Er will nur Medium sein. Die Bilder zeigen daher ein inneres, gleichsam selbstgeborenes Gleichgewicht. Aber hinter der Illusion, die eigene Subjektivität verschwinden zu lassen, steckt ein Zweifaches: einerseits scheint das Kunstwerk ein großzugiges Geschenk dem Anderen zu sein, andererseits wird hier jedoch auch ein Anspruch auf eine universale Subjektivität erhoben.

Handwerk und Kunstwerk: Was ist hier der Unterschied? Das griechische Wort poiesis meint das Herstellens von etwas, was es vorher nicht gab, also den ganzen Bereich von alldem was wir Handwerk nennen, aber auch die Fortentwicklung solcher Verfertigungen, bis zur industriellen Produktionsweise der Moderne. Aber das Erzeugnis des Handwerks wie der industriellen Verfertigung ist nicht eigentlich für sich da, sondern für den Gebrauch bestimmt. Dagegen stellt ein Künstler, selbst wenn einmal maschinelle Fertigungsweise im Spiele sind, etwas her, das für sich ist, das nur für ein Betrachten da ist. Das Kunstwerk ist offenbar ein Werk nicht im gleichen Sinne des Handwerks. Bei dem Kunstwerk lässt es sich nämlich nicht zwischen dem Machen und seinem Produkt trennen, das nachher seinem Gebrauchszweck überlassen wird. Wenn man vom Kunstwerk sagen kann, dass es herauskommen muss, dann sollten wir lieber – wie Gadamer sagt – statt an Handwerk an die Natur denken.

In diesem Zusammenhang möchte ich einen besonderen auffallenden Aspekt von Blasottas Malerei in Betracht ziehen. Eindeutig ist ihm die Ablehnung von jeder industriellen oder mechanischen Kunst. Ganz bewusst greift Blasotta auf das Ideal der großen Meister des 15. und 16. Jahrhundert zurück. So wie in der Tradition des italienischen Humanismus üblich war, legt er zum Beispiel sehr viel Wert auf die Vorbereitung der Leinwände, die nicht nur durch Gips grundiert wird, wie das seit 50 Jahre der Fall ist, sondern auch durch Öl. Der Unterschied ist nicht zu übersehen: auf die eine Weise kann ein Gemälde höchstens zwanzig, dreißig Jahre leben, auf die andere Weise kann hingegen das Gemälde den Anspruch auf ein viel längeres Weiterleben erheben.
Soll man auch bei Blasotta einen Anspruch auf ein anderes Verhältnis zu der Zeit erblicken, auf eine Malerei, die mindestens in ihrer Absicht, die Zeit transzendiert? Fest steht auf jeden Fall, dass den ethischen Anspruch jeden Aspekt von Blasottas Malerei auszeichnet – selbst den rein technischen Aspekt. Eigentlich strebt jedes Glied der als dynamisch konzipierten Figuren danach, träger einer ethischen Botschaft zu sein.

Die Palette seiner Farbtinten ist stark reduziert. Von den Grundfarben sind die kalte Farben, grün, oder himmelblau so etwa wie ausgeschlossen. Dagegen kehren immer wieder – auf eine fast obsessive Weise – die Kadmiumfarben, das Rote und das Gelbe, und vor allem das sogenannte Caput mortuum, eine wundervolle Farbe, die, mit den Weißen, die verschiedensten Töne annimmt. Wenige Farben und eine ganze menge Töne: Hier kommt Blasottas Kunst besonders deutlich zutage. Und das Spiel mit den subtilsten Nuancen von den Farbtönen geht vor allem in den letzen Gemälden so weit, dass die Farben endlich auf Schwarz und Weiß reduziert sind. Trotzdem bleibt die Farbe in all ihrer Wärme in diesem eigenartigen Helldunkel erhalten.

Das Weiß, das Blasotta benutzt – das hat er mir selbstverständlich verraten – ist das Titanweiß. Dieses Titanweiß – so könnte man es durch eine Assoziation formulieren – passt sehr gut zu dem titanischen Charakter von Blasottas Figuren. Ein Kampf ist im Gange, ein Kampf bewegt und beseelt diese titanischen Figuren. Nicht ein Kamp gegen imaginäre Kräfte, gegen Windmühlen – wie im Falle des dennoch heroischen Don Quichotes -, sondern ein Kampf gegen ganz reale, wenn auch obskure Kräfte, die ein Zeichen hinterlassen: die Deformation. Aber die Titanischen Figuren kämpfen weiter. Denn sie lassen sich doch nicht vollkommen deformieren. Anders gesagt: sie transformieren die Deformation. Die zu eigen gemachte Deformation, die offengelassene Wunde, weist auf eine Seele auf, die sich nicht preisgibt. Anders als bei Bacon – wenn Sie mir den Vergleich erlauben – ist die Deformation nicht Zeichen von zugrundegehender Auflösung, von nihilistischer Dekadenz. Selbst der am meisten monströse, am meisten verletzte Körper hat eine Seele, die von einer Erhebung spricht. Der klassische Hintergrund spielt hier eine wesentliche Rolle. Am Rand der Leinwände bewirken die stark betonten ornamentalen Motive immer eine Distanzierung, bringen einen Abstand hervor, der – klassisch – gleich zu einer erleichternden Erhebung führt.

In der Unkenntlichkeit und Unpersönlichkeit der Welt, bleibt für den Deformierten, verletzten Mensch immer noch die Möglichkeit, die Grenze des Körpers zu überschreiten. Die Wunde verweist durch ihre künstlerische Aussagekraft auf die Transzendenz. Die Kunst, die uns so quälender Rätsel aufgibt, wenn wir in ihr verletztes Antlitz blicken, zeigt sich als eine Weise der Wiedererkennung. Die geöffnete Wunde wird ihrerseits zu einer Öffnung, zu einer kommunikativen Öffnung des Menschen zu dem Anderen, zu dem All-Anderen der Transzendenz – und damit zu sich selbst. So bereitet das Werk der Kunst die gemeinsame Wiedererkennung, die uns aufs neue hilft, heimisch zu werden.

Ich möchte mit einem Wunsch schließen, den – glaube ich – wir alle ihm zu seiner Tätigkeit machen, dass er nämlich mit dieser Kühnheit weiterarbeitet.





AUSSTELLUNGEN:


Laufende Ausstellung: Bei Frau Dr. Vénény. Rue de Varenne 59 Paris
Galerie "Kunst am Theaterplatz" Heidelberg



Bisherige Ausstellungen:


4. Mai - 31. Juni 2004 in Linz (Österreich)

Am 5. Oktober 2003 um 18.00 c.t. Ausstellungseröffnung in Heidelberg:
"Haus der Begegnung" Merianstrasse 1, 69117 Heidelberg Ausstellungsdauer: bis 15. November, verlängert bis 31.XII.2003

April 2002 Ausstellungseröffnung
im Rathausfoyer der Stadt Heidelberg


März 2002 Gemäldeausstellung im Bischöflichen
Ordinariat der Stadt Limburg a.d.Lahn


Ausstellung in der Jesuitenkirche Heidelberg,
war vom Juli bis Oktober 2001 zu sehen


Juli bis September 2001 Einzelausstellung in der
Jesuitenkirche Heidelberg.


Oktober 2000: Einzelausstellung im DAI (Deutsch-Amerikanisches Institut)Heidelberg.


April 2000: Einzelausstellung in Venedig, in Zusammenarbeit mit der Stadt Heidelberg, dem Fremdenverkehrsamt Venedig und dem "Italienischen Kulturinstitut" Stuttgart.


Januar-Februar 2000: Einzelausstellung in der Galerie "Am Schloß" in Heidelberg.

August 2000: Gemeinschaftsausstellung mit venezianischen Künstlern in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Heidelberg und der Stadt Venedig.


Juli 2000: Einzelausstellung im eigenen Atelier in der Heidelberger Altstadt.


April 2000: Einzelausstellung in Venedig, in Zusammenarbeit mit der Stadt Heidelberg, dem Fremdenverkehrsamt Venedig und dem "Italienischen Kulturinstitut" Stuttgart.


November 1999 Januar 2000: Einzelausstellung im Museum der Ruprecht-Karls Universität Heidelberg (eröffnet und begleitet von dem Philosophen Hans-Georg Gadamer).


Februar 1999:Ausstellung in der großen Stadthalle Görlitz, in Zusammenarbeit mit der Stadt Venedig.